Alkohol im Alter – Wenn der Freund zum Teufel wird

Ein Thema, das viele schwule Männer betrifft

Ein oft übersehenes Problem

Im Alter verändert sich vieles: Der Körper wird langsamer, das soziale Umfeld kleiner, Lebenspartner oder Freunde gehen verloren. Gerade für schwule Männer ist das Altern mit besonderen Herausforderungen verbunden – viele leben allein, haben keine Kinder und erleben Isolation stärker. Alkohol kann da scheinbar Trost spenden – doch aus dem Glas Wein am Abend wird schnell eine gefährliche Gewohnheit.

Warum trinken ältere schwule Männer?

Viele schwule Männer haben über Jahrzehnte hinweg mit Ausgrenzung, Ablehnung oder dem Zwang zur Verstellung gelebt. Die psychischen Belastungen dieser Erfahrungen wirken nach – gerade im Alter, wenn emotionale Ressourcen schwinden.

Typische Gründe für riskanten Alkoholkonsum:

Einsamkeit und Isolation

Verdrängte Erlebnisse aus früheren Lebensphasen (z. B. „versteckt leben“ in der Jugend)

Nicht gelebte Beziehungen oder verlorene Partner

Fehlende Anerkennung in Pflege und Gesellschaft

Fehlende queere Altersangebote

Alkohol dient dann als scheinbare Brücke: Er betäubt, lockert, blendet aus. Doch er löst keine Probleme – er schafft neue.

Zahlen und Fakten

Alkoholkonsum bei älteren Menschen ist ein wachsendes Problem – auch in der queeren Community:

• Laut der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) konsumieren etwa 20–25 % der über 60- bis 69-Jährigen Alkohol in riskanter Menge, während für die Altersgruppe der über 69-Jährigen bislang keine verlässlichen Daten vorliegen.

• Männer sind häufiger betroffen – besonders alleinlebende Männer.

• Viele Betroffene suchen erst sehr spät Hilfe, da Alkohol im Alter oft als „normal“ gilt.

• In der queeren Szene war (und ist) Alkohol oft fester Bestandteil von Begegnungen – Clubs, Bars, Partys. Für viele ältere Schwule war und ist dies einer der wenigen Räume für Offenheit – mit Schattenseiten.

Was macht Alkohol im Alter gefährlich?

Der Körper verändert sich mit den Jahren. Alkohol wird langsamer abgebaut, wirkt stärker – und kann in Verbindung mit Medikamenten (z. B. Blutdrucksenker, Psychopharmaka) gefährliche Nebenwirkungen auslösen.

Typische Folgen:

• Schwindel und Stürze

• Gedächtnisprobleme

• Schlafstörungen

• Leber- und Herzprobleme

• Depressionen werden durch Alkohol oft verstärkt

Schwule Männer: Doppelt betroffen?

Viele ältere schwule Männer haben keine Familie im klassischen Sinn, keine Kinder, wenig familiäre Rückbindung. Gleichzeitig fehlt es oft an queeren Altersstrukturen, in denen man offen leben und altern kann. Dieses soziale Vakuum kann dazu führen, dass Alkohol zur emotionalen Krücke wird – ein scheinbar verlässlicher „Freund“, der langsam zur Sucht wird.

Besonders perfide: Alkoholabhängigkeit bei älteren Männern wird oft übersehen oder als „Alterserscheinung“ abgetan – vor allem, wenn das Umfeld ebenfalls trinkt.

Selbsthilfe wirkt – auch im hohen Alter

Anonyme Alkoholiker (AA)

Die AA bieten in Köln eine lesbisch-schwule Gruppe für Menschen mit Alkoholproblemen. Besonders wertvoll für schwule Männer ist eine solche queere AA-Gruppe, in denen ohne Angst vor Diskriminierung offen über Sucht und Lebensgeschichten gesprochen werden kann.

shalk.ev Köln

Der Selbsthilfeverein Alkoholkranker Lesben und Schwuler Köln (shalk.ev) ist eine der wenigen Anlaufstellen, die sich gezielt an queere Menschen mit Suchterfahrung richten. Hier finden schwule Männer:

• Offene, verständnisvolle Gruppen

• Fachliche Beratung durch queersensible Mitarbeitende

• Raum für Austausch ohne Verurteilung

• Einen geschützten Ort, um einen neuen Weg einzuschlagen

Weitere Anlaufstellen

KISS Köln (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen) beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Köln

Checkpoint Köln (queer-freundliche Suchtberatung)

. rubicon e.V.

Regenbogen-Senioren Köln (Netzwerk für Altern)

Der Weg heraus ist möglich

Viele Betroffene denken: „Mit 60, 70, 80 lohnt sich ein Neuanfang nicht mehr.“

Das ist falsch. Es ist nie zu spät, sich aus der Abhängigkeit zu lösen und neue Lebensqualität zu gewinnen.

Was hilft:

• Der offene Austausch mit Gleichgesinnten

• Unterstützung durch queersensible Beratungsstellen

• Kleine Schritte – ein Tag nach dem anderen

• Ein stabiles soziales Netzwerk – auch durch Selbsthilfegruppen

Fazit: Du bist nicht allein. Und es ist nie zu spät.

Alkoholabhängigkeit im Alter betrifft viele – auch schwule Männer. Was es braucht, ist Offenheit, Mut zum Gespräch und passende Angebote. Hilfe gibt es – und sie wirkt.

Du bist nicht der Einzige. Und du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

Anlaufstellen & Infos

📌 shalk.ev Köln

👉 Gruppentreffen, offene Beratung, auch ohne Anmeldung

📌 Anonyme Alkoholiker – Queere Gruppen

👉 Lesbisch-schwules AA-Meeting Köln jeden Donnerstag 19:30 h in der Alten Feuerwache

📌 Checkpoint Köln

👉 Queere Gesundheitsberatung mit Fokus auf Sucht, Psyche und HIV

📌 Telefonseelsorge – auch für queere Menschen offen

👉 0800 111 0 111 – kostenlos, anonym, rund um die Uhr