Am 14. Mai 2025 informierte Thorsten Helmers, Ansprechpartner für LSBTIQ* bei der Kölner Polizei (www.koeln.polizei.nrw), im rubicon e.V. rund ein Dutzend interessierter schwuler Männer über Risiken und Schutzmaßnahmen im Online-Dating. In einem fundierten Vortrag beleuchtete er aktuelle Entwicklungen, Gefahren und Präventionsmöglichkeiten beim Kennenlernen über das Internet.
Online-Dating: Chancen und Risiken
Online-Dating bietet heute vielfältige Möglichkeiten, neue Menschen kennenzulernen – unabhängig von Alter, Wohnort oder Lebenssituation. Besonders in Zeiten zunehmender Vereinsamung suchen viele queere Menschen gezielt über Dating-Apps und Plattformen nach Kontakten. Der scheinbar geschützte digitale Raum vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Viele Plattformen richten sich gezielt nach Zielgruppen, sexueller Orientierung, Offenheit oder gewünschter Anonymität aus.
Doch die Realität zeigt: Wo Chancen sind, lauern auch Gefahren.
Deutlicher Anstieg krimineller Vorfälle gegen queere Menschen
Die polizeiliche Kriminalstatistik dokumentiert eine alarmierende Entwicklung. 2023 wurden deutschlandweit rund 29.000 Straftaten im Zusammenhang mit Hasskriminalität gegen queere Menschen registriert – 2024 stieg die Zahl auf 34.000 Fälle. Darunter befanden sich über 1.100 Gewaltdelikte. In Nordrhein-Westfalen allein waren es 3.500 Fälle im Jahr 2023 und 5.600 Fälle im Jahr 2024 – mit 145 dokumentierten Gewalttaten, davon 83 in Köln. Die Tendenz ist weiter steigend. Hier können die Zahlen nachgelesen werden: https://www.queer.de/detail.php?article_id=53070
Love-Scamming, Sextortion und Erpressung – die häufigsten Gefahren
Die Bandbreite der Gefahren im Online-Dating ist groß:
- Love-Scamming: Betrüger bauen gezielt emotionale Beziehungen auf, um später Geld oder Wertsachen zu ergaunern – oft perfide organisiert und besonders auf ältere Menschen ausgerichtet.
- Sextortion: Die Erpressung mit Nacktbildern oder intimen Videos gehört ebenfalls zu den wachsenden Bedrohungen.
- Zwangsouting und Hasskriminalität: Vertrauliche Informationen können missbraucht und öffentlich gemacht werden.
- Fake-Profile und Identitätsdiebstahl: Täter nutzen gefälschte Fotos und persönliche Daten, um Vertrauen zu erschleichen.
Wie kann man sich schützen? Tipps für sicheres Online-Dating
Sicherheit beginnt beim eigenen Verhalten. Hier einige wichtige Empfehlungen für den Schutz vor Betrug beim Online-Dating:
- Anonym bleiben: Verwenden Sie nie Ihren echten Namen – ein Nickname bietet mehr Sicherheit.
- Weniger ist mehr: Geben Sie persönliche Informationen wie Adresse, Arbeitgeber oder Standortdaten nur sehr dosiert preis – am besten gar nicht.
- Privatsphäre-Einstellungen nutzen: Überprüfen Sie die App-Einstellungen regelmäßig und deaktivieren Sie Funktionen, die Ihren Standort automatisch teilen.
- Vorsicht bei zu perfekten Profilen: Wenn etwas „zu schön klingt, um wahr zu sein“, ist es das oft auch.
- Video-Calls nutzen: Ein Videotelefonat vor einem realen Treffen gibt zusätzliche Sicherheit.
- Verifizierte Plattformen bevorzugen: Nutzen Sie nur seriöse Anbieter und prüfen Sie, ob der Kontakt dort verifiziert ist.
- Treffen Sie sich an öffentlichen Orten: Das erste Date sollte immer in einer öffentlichen Umgebung stattfinden.
- Informieren Sie Vertrauenspersonen: Teilen Sie Ort und Zeit des Treffens mit einer nahestehenden Person oder aktivieren Sie Standortfreigaben.
Täter nutzen emotionale Schwächen gezielt aus
Gerade Love-Scammer agieren mit psychologischem Geschick. Sie geben sich verständnisvoll, charmant und aufmerksam – meist stammen sie angeblich aus dem Ausland, geben sich als Berufstätige in Notsituationen aus und versuchen, sich emotional unentbehrlich zu machen. Doch am Ende geht es immer um Geld, nie um echte Zuneigung.
Aufklärung und Eigenverantwortung als beste Prävention
Im Anschluss an den Vortrag wurde im Teilnehmerkreis rege diskutiert. Viele berichteten von eigenen Erfahrungen oder beinahe erfolgreichen Betrugsversuchen. Einigkeit herrschte darüber, dass Aufklärung und persönliche Achtsamkeit der beste Schutz sind – und dass es kein Zeichen von Schwäche ist, sich Hilfe zu holen.
Anzeige erstatten – auch online möglich
Wer Opfer von Online-Betrug, Hasskriminalität oder Erpressung wird – egal ob im Netz oder im realen Leben – sollte unbedingt Anzeige bei der Polizei erstatten. Nur dokumentierte Fälle fließen in die Kriminalstatistik ein und führen zu politischem Handlungsdruck.
Tipp: Wer die Hemmschwelle zur persönlichen Anzeige umgehen möchte, kann dies ganz einfach online über die Internetwache der Polizei NRW tun:
👉 https://internetwache.polizei.nrw
Dank gilt Thorsten Helmers, für den Vortrag und die Nutzung seiner Angaben zur Erstellung dieses Berichts.
in diesem Zusammenhang ein Filmtipp: „Der Tinder-Schwindler“ (Netflix, 2022) erzählt dokumentarisch die Geschichte eines Mannes, der über Tinder Frauen datet und im Laufe des Datings berichtet, dass er sich in Gefahr befindet Er gibt vor, seine Kreditkarten nicht mehr verwenden zu können und fragt nach Geld, welches seine Opfer ihm zur Verfügung stellen und nie zurückgezahlt bekommen.